Die Innenstädte sterben. Sie auch?

Wagen wir einen kleinen Spaziergang durch Ihre Stadt und genießen wir ein bisschen die frische Luft. Warum auch nicht? Wir haben es uns immerhin verdient! Und auf dem Weg finden wir sicher noch eine Eisdiele, die die verbrauchten Kalorien ausgleichen kann. Doch Moment! Können wir heute noch mit einem guten Gefühl durch die Innenstädte unseres Landes spazieren? Schnell wird aus einem Schaufensterbummel nämlich das: eine Leichenschau. Bis zu 25 Prozent aller Gewerbeimmobilien stehen in Deutschland leer. Das hat eine Umfrage des deutschen Immobilienverbandes während der Corona Krise ergeben. Selbst in den guten und top Lagen sind es bis zu 15 Prozent. Der kleine deutsche Einzelhandel hatte schon vor der Krise große Probleme. Doch jetzt drängt sich das Gefühl auf, dass er im Sterben liegt. Doch das muss nicht so sein und einige erfolgreiche Konzepte zeigen: In der größten Krise gibt es auch neue Chancen und Hoffnungen.

Einzelhändler stecken in einer misslichen Lage. Nach mehr als einem Jahr Notstand, Lockdowns und Krisen sind die Kassen stark belastet oder schon längst leer. Selbst viele Unternehmen, die Hilfeleistungen des Staates in Anspruch genommen haben, kämpfen um ihre Existenz. Einer Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nach drohen allein im Jahr 2021 über 25.000 Insolvenzen in der deutschen Wirtschaft. Eine genaue Zahl zu benennen ist jedoch schwierig, da die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht viele sogenannte Zombie Unternehmen mit sich brachte, also wirtschaftlich tote, jedoch noch offiziell existente Unternehmen. Kein Wunder also, dass in manchen Innenstädten eine bedrückende Stimmung aufkommen kann.

Rettet die Innenstädte! – Aber wie?

Die Lage ist inzwischen bedenklich, sodass sogar der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) bereits 2020 mit einem Hilferuf seine eigene Zeitschrift „Position“ aufmachte: „Rettet unsere Innenstädte“ lautete die deutliche Aufforderung an die Unternehmen mit neuen Konzepten und Ideen wieder Leben und damit auch Umsatz in die Kommunen zu tragen. Doch wie geht das? Innovation in einer der schwersten Krisen unseres Landes seit dem zweiten Weltkrieg?

Eine Antwort muss die Auflösung zwischen den bisher als gegeben angesehen Grenzen zwischen on- und offline sein. Gerade durch eine Verlagerung der Digitalisierung in den mobilen Sektor entstehen bisher ungeahnte und auch ungenutzte Potentiale. Egal ob es dabei um individuelle Angebote per App geht, welche Kunden beim Betreten von Filialen erhalten, Pop-Up-Stores mit einem endless aisle Konzept oder es aber Modelle sind wie Click & Collect, Click & Reserve oder Ship from Store. Die Corona Krise ist nicht nur eine Tragödie, sondern auch eine Treiberin von Innovation. Hart gesagt, trennt sie die Unternehmen mit einer Vision von der Zukunft von denen, die sich aus diversen Gründen der nötigen unternehmerischen Evolution verweigern.

Wie geht es weiter?

Doch selbst für die Unternehmen, die den Schritt in eine neue, noch enger verzahnte Welt des Omnichannel gehen wollen, stellen sich grundsätzliche Fragen. Welche Tools und Lösungen sind für mich nützlich? Welche Angebote und Services erwarten meine Kund*innen? Wie relevant bleiben Ladenflächen und Filialen? Woher kommen die nötigen Mittel um eine Digitalisierung voranzutreiben? Wie stelle ich mich krisensicherer auf, in Zeiten zusammenbrechender Warenketten und großer Lieferengpässe?

Und hier kommt die schlechte Nachricht dieses Artikels: nicht alle dieser Fragen werden wir heute beantworten können. Nicht, weil wir es nicht wollen, sondern weil sei ein Teil einer größeren, komplexeren Frage sind. Einer Frage, die sich nur schwer beantworten lässt: Was bringt die Zukunft? Was wir jedoch können, ist auf Trends und Entwicklungen zu blicken und diese mit Erfahrung zu kombinieren. Denn, schon heute schreiben einige Unternehmen ihre eigenen Erfolgsgeschichten mit modernen Ideen und neuen Konzepten. Eine dieser Ideen ist zum Beispiel Retail as a Service. Dieses Konzept haben wir in diesem Artikel ausführlich vorgestellt.

ROPO als Kundenmagnet

Innerhalb des Beitrages haben wir auch den ROPO-Effekt genannt, den „Research Online, Purchase Offline“ Effekt. Dieser besagt, dass sich Kund*innen vorzugsweise im Netz informieren, ihren finalen Kaufabschluss jedoch lieber vor der Haustüre tätigen. Gerade in Branchen, die auch von einem „erleben“ von Produkten profitieren, wie zum Beispiel bei Fashion, ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten Kund*innen für sich zu begeistern und in der Krise als Stammkundschaft zu gewinnen – und zu erhalten.

Um diese Käufer*innen zu erreichen müssen Unternehmen jedoch über ihr eigenes Schaufenster hinaus denken. Sichtbarkeit beginnt heute bereits mit dem ersten Klick im Netz. So müssen Angebote zum Beispiel auch im eigenen Onlineshop, in den sozialen Medien und in den Angeboten von Google vertreten sein, um gesehen zu werden. Lokale Verfügbarkeiten müssen transparent kommuniziert und Kund*innen proaktiv angesprochen werden, egal ob über Apps oder andere Kanäle in der digitalen und der analogen Welt. Omnichannel ist ein beliebter Kampfbegriff, wenn es um die Digitalisierung im Handel geht. Heruntergebrochen heißt es schlicht eines: in allen Kanälen und allen Plattformen möglichst alles machen.

Technologie und das nötige Kapital

Für diesen Zweck gibt es viele Lösungen und Tools, die durch Automatisierungen das Leben des Einzelhandels leichter machen. Sinnvoll ist es hier für Unternehmen auf Technologiepartner zu setzen, welche bereits den nächsten Schritt mitdenken und Lösungen für Probleme aufzeigen, welche heute noch trivial wirken. In einer sich schnell verändernden Welt kann selbst ein kleiner Startvorteil über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Gleichzeitig ist es ratsam aktuelle Fördermittel und Fördertöpfe im Blick zu behalten. Gerade wenn es um die Digitalisierung von Prozessen und Angeboten geht. Allein mit dem Programm „Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU“ stellt die Bundesregierung ein Konjunkturpaket mit einem Volumen von gut 250 Millionen Euro bis 2024 zur Verfügung. Dazu kommen Förderprogramm der Länder wie zum Beispiel dem Digitalbonus in Bayern (bis zu 50.000 Euro) oder dem BIG Digital in Brandenburg (bis zu 550.000 Euro). Eine ausführliche Liste finden Sie hier.

Wir wollen nicht von Mindset reden, aber…

Neben einer Idee der Zukunft, der richtigen Technologien und dem nötigen finanziellen Hintergrund ist jedoch vor allem ein sehr weicher Faktor entscheidend: Ihre eigene Motivation. Gerade im Handel erfordert die Digitalisierung vor allem auch eine geistige Flexibilität aller Akteure. Nur wer in der Lage ist sich selbst und seine eigenen Konzepte kontinuierlich zu hinterfragen und zu verbessern, kann langfristig erfolgreich sein. Und nein, Sie sind jetzt nicht schlagartig in die Präsentation eines Coaches gerutscht, der Ihnen nun einen Vortrag über ihr „Mindset“ halten wird. Es geht auch nicht um „Hacks“, sondern um eine einfache Tatsache: Sind Sie offen und mutig genug für neue Ideen und Konzepte? Denn: die Arbeit im Omnichannel ist kein Schalter, welcher einmal umgelegt konstanten Umsatz und Erfolg bringt. Vielmehr ist ein täglicher Wettkampf.

Unsere Innenstädte werden ein Anziehungspunkt für Menschen bleiben. Und das nicht nur, weil sie dort Eis und andere Leckereien finden. Sondern, weil sie das Herz ihrer Heimat sind. Dies gaben über 90 Prozent aller Befragten einer Studie des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) an. Ihnen ist die Innenstadt so wichtig, dass sie dort lieber einkaufen als im Netz. Selbst dann, wenn das Internet mehr Komfort bietet. Aus diesem Willen und dieser Liebe der Menschen zu ihrer Innenstadt können Unternehmen neue Energie beziehen. Wer heute barrierefreie Einkaufserlebnisse schafft und dabei modernste digitale Technologien mit der Leidenschaft der Menschen für ihre Heimat verbindet, kann sich darauf verlassen, dass er auch in den kommenden Jahrzehnten sehr glücklich in der Innenstadt ist. Zumindest dann, wenn ein Wille zur Innovation die treibende Kraft bleibt.

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