Shopping in the City: Was der lokale Handel jetzt zum Überleben tun muss

Vor allem seit Beginn des zweiten Lockdowns überschlagen sich die Meldungen und Prognosen zur Zukunft der Innenstädte – insbesondere wenn es um den stationären Einzelhandel in den Innenstädten geht, der diese vielerorts prägt und maßgeblich mitgestaltet. Die deutschen Innenstädte wie wir sie kannten, seien kein Zukunftsmodell mehr – im Hinblick auf gewandelte Arbeits- und Lebensmodelle. Doch wie kann es der lokale Handel schaffen, weiterhin Teil des “Konzeptes Innenstadt” zu sein?  Die Wirtschaftswoche titelte jüngst, “Geschäftssterben – Ist die City noch zu retten“ und widmete dieser Fragestellung eine ganze Ausgabe. Dabei zeichneten die Autoren für die Zukunft  des stationären Handels, mitunter ein düsteres Bild. Ein Bild von den derzeit allerorts gleichen, traurigen Bildern der leer gefegten Einkaufsstraßen, vernachlässigten Auslagen und geräumten Schaufenstern in ihrer grauen Tristesse. Denn die Städte restrukturieren und verändern sich. Und der lokale Handel?

Die Zukunft des Handels

Rund 200.000 Einzelhändler in Deutschland, haben seit Mitte Dezember des letzten Jahres ihre Filialen geschlossen. Das Kölner Unternehmen Hystreet, welches mit Sensoren die Besucherzahlen der wichtigsten deutschen Shoppingmeilen erfasst, zählte laut Wirtschaftswoche im Jahr 2020 im Schnitt 32 Prozent weniger Passanten als noch im Jahr davor. Knapp 60 Prozent der stationären Handelsunternehmen stünden ohne weitere staatliche Hilfen vor dem Aus, warnt zum Beispiel der Handelsverband Deutschland HDE: „Es zeichnet sich eine Pleitewelle ab, wie wir sie noch nicht erlebt haben.“ (Wirtschaftswoche, 2021)

Es scheint, als sprächen die Zahlen für sich. Das drohende Schicksal vom Niedergang der Einzelhändler*innen und damit das der zahlreichen deutschen Innenstädte scheint unumgänglich. Die Wirtschaftswoche postuliert es gar so, dass Corona das Ende der Innenstädte besiegelt hätte. Liest man dieser Tage die Kolumne von Kathrin Passig in der Frankfurter Rundschau, so erhärtet sich dieser Eindruck. Da ist die Rede von verwaisten Webseiten der Händler*innen – sogar in Pandemie-Zeiten – , Nicht-Erreichbarkeit der Läden per E-Mail und ungenauen oder gar fehlenden Basis-Informationen wie den Öffnungszeiten eines Geschäftes im Netz. Es scheint, als habe sich der Handel einer allgemeinen “Corona-Depression” ergeben. Inzwischen – so berichtet auch Passig, die diesen Service gerne nutzt – ist Google aktiv geworden und versucht über verschiedene Hebel seine Daten über lokale Händler*innen aktuell zu halten. Jedoch mithilfe der Nutzer*innen, die Öffnungszeiten und Adressen in Google Maps ergänzen und nicht aktiv durch das Mitwirken der Händler*innen selbst. Wartet der Handel einfach auf ein Ende des Lockdowns, einem “back-to-normal” oder hat er sich gar seinem Schicksal ergeben?

Corona ist schuld – oder?

Unsere eigene Erfahrung zeigt, dass viele Händler*innen sich diesem vermeintlichen Ende nicht so einfach ergeben wollen und nun beginnen, händeringend nach Lösungen suchen. Zum einen um den Lockdown zu überstehen und ihr Geschäft nachhaltig auf eine Wiedereröffnung vorzubereiten und zum anderen, um ihren Beitrag zur Attraktivität der Innenstädte zu leisten. Denn auch schon die Jahre davor sah es für den stationären Einzelhandel nicht unbedingt gut aus, doch es lief ja noch irgendwie. Das Nachdenken über die Innenstadt von morgen und konkrete Konzepte für einen nachhaltig florierenden stationären Einzelhandel, blieben aus. Bis jetzt. Um es einmal positiv zu formulieren, könnte Corona eher als finaler Antrieb, statt eines finalen “Todesstoßes” verstanden werden.  Heißt aber auch, sowohl die Händler*innen – aber auch die Verbraucher*innen – dürfen es sich jetzt nicht einfach machen und allein in Corona den “Schuldigen” sehen. Vor allem kleine und mittelständische stationäre Händler*innen haben lange Zeit die Augen davor verschlossen, was sich über Jahre abzeichnete. Sie müssen digitaler werden, online sichtbarer sein und somit attraktiv für lokale Verbraucher*innen. Auch heute noch gibt es viel zu viele Händler*innen die mit Faxgeräten oder telefonisch aufgenommenen Bestellungen arbeiten. Die Wirtschaftswoche empfiehlt Händler*innen das Internet im ersten Schritt für Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten der Filialen zu nutzen. Wir würden als ersten Schritt direkt noch viele Schritte weiter gehen. Doch dazu später mehr. Denn – und da stimmen wir der Wirtschaftswoche zu – “abwarten ist keine Option” mehr! 

Online vs. Offline

Mit Verlaub kann man sagen: Es wurde lang genug gewartet! 

Immer mehr Kunden*innen entschieden sich bei der Wahl “ihres” Geschäftes, auch bereits vor dem ersten Lockdown, für große Onlinemarktplätze wie Amazon und Co und ließen so immer mehr Geschäfte ihrer Heimatstadt unbesucht und leer. Ganz freiwillig war dieses Verhalten nicht immer, doch es fehlte schlicht an lokalen Alternativen. So berichteten wir bereits im Oktober 2020 darüber, dass der stationäre Einzelhandel durchaus gefragt ist und führten zahlreiche Handlungsmöglichkeiten auf, um für Kunden*innen wieder attraktiv zu werden. Denn die Bereitschaft der Kunden*innen lokal zu kaufen und regionale Händler*innen zu unterstützen ist grundsätzlich da, seit ein paar Jahren sogar wieder sehr verstärkt. Das Angebot fehlt schlichtweg, die Händler*innen sind digital nicht sichtbar. 

Eine Umfrage unter 1450 Händlern, die das Forschungsinstitut ibi research an der Universität Regensburg zusammen mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlicht hat zeigt nun, dass nur 39 Prozent der befragten Händler*innen einen eigenen Webshop haben. Zehn bis zwölf Prozent bieten ihre Produkte zumindest über einen der großen Onlinemarktplätze an. Das ist zwar ein Anfang, aber bei Weitem nicht genug. Das stellte auch Passig fest, die bei regionalen Händler*innen die Webseite prüfte und mitunter mehrjährige Wartungszustände der spärlich vorhandenen Webauftritte vorfand.

Diesem Entwicklungsstand gegenüber stehen die Prognosen  des Instituts für Handelsforschung Köln, welches für das Jahr 2020 einen E-Commerce-Umsatz von 80 bis 88 Milliarden Euro in Deutschland angibt; und prognostiziert, dass bis 2024 120 Milliarden Euro erreicht werden könnten – bei zunehmender Dynamik sogar rund 140 Milliarden. Der Onlineanteil am Einzelhandelsumsatz wird dann auf fast 20 Prozent gestiegen sein. 

Die Corona-Pandemie hat dem auch zuvor bereits boomenden Onlinehandel in Deutschland somit zwar weiteren Aufschwung verliehen, doch ist diese Entwicklung mitnichten alleine auf das Virus und die Lockdowns zurückzuführen. Was der stationäre Handel jedoch nicht ausreichend sieht, ist, dass von der Zunahme des Onlinehandels nicht nur die großen Verkaufsplattformen im Internet profitieren, sondern auch das Onlinegeschäft der klassischen Filialisten – sofern sie sichtbarer werden. Das Einkaufsverhalten der Verbraucher*innen ändert sich weiter zugunsten des digitalen Geschäftes, die Zukunft des Einkaufens erscheint aber  durchaus hybrid, nicht nur online – das bietet Chancengleichheit für alle. 

Was tun, als klassischer Filialist?

Um digital sichtbarer zu werden, müssen Sie nicht direkt an teure und langwierige IT-Projekte für Webseite, Onlineshop, Suchmaschinenoptimierung & Co. denken. Die Hürden zur Digitalisierung sind weitaus kleiner, als Sie vielleicht denken. Mitunter sogar kostenfrei oder mit nur wenigen Kosten verbunden. Ähnlich wie beim Laufen lernen, heißt es auch hier: gehen Sie einen Schritt nach dem anderen – und nehmen Sie dann Fahrt auf. Doch wie bereits gesagt, besteht für uns der Weg zur Digitalisierung aus mehreren, kleineren, wie teils auch größeren Schritten, die dann aufeinander einzahlen.

Diese Schritte müssen Sie als lokaler Händler*in jetzt mindestens tun:

  1. Machen Sie Ihr Geschäft im ersten Schritt auf Google sichtbar. Lassen Sie nicht die Nutzer*innen die Arbeit für Sie erledigen. Agieren Sie, statt zu reagieren. Halten Sie Öffnungszeiten und weitere Unternehmensdaten aktuell. Überprüfen Sie, ob Ihr Geschäft auch in Google Maps gefunden wird.
  2. Bringen Sie Ihre lokalen Bestände auf den aktuellsten Stand. Legen Sie eine einheitliche Liste an und pflegen diese regelmäßig. Das kann für den Anfang eine einfache CSV- oder Exceldatei sein.
  3. Machen Sie Ihre lokalen Bestände in Google sichtbar. Sie benötigen dafür nur Ihre CSV-Dateien mit aktuellen Produkt- und Bestandsdaten für Ihre Filialen. Das müssen Sie auch nicht selbst machen, dafür gibt es inzwischen Anbieter wie uns, die das gerne für Sie übernehmen.
  4. Bieten Sie Ihre lokalen Bestände auch über Ihren Onlineshop zur Reservierung (Click & Reserve) oder direktem Kauf (Click & Collect) an. Vermeiden Sie dabei aber manuelle Prozesse wie “In der Filiale anrufen” oder “Schreiben Sie uns, ob der Artikel noch verfügbar ist”. Das werden sicherlich einige Kunden*innen in Anspruch nehmen, doch den Großteil Ihrer potenziellen Kunden*innen werden Sie vso nicht erreichen. Zumindest eine Reservierung sollte automatisiert in Ihrer Filiale möglich sein. Sie haben keinen Onlineshop? Dann nutzen Sie doch im ersten Schritt zum Beispiel eine Storefront, also eine Art digitales Schaufenster Ihrer Filiale. Dafür benötigen Sie wiederum nur eine CSV-Datei Ihrer Produkt- und Bestandsdaten. Wenn Sie mit einem MVP-Ansatz an diesen Schritt herangehen, könnten Sie zum Beispiel innerhalb einer Woche – egal ob mit oder ohne Onlineshop – Click & Reserve für Ihre stationären Filialen anbieten. Automatisiert für Ihre Kunden*innen und für Ihr Personal im Geschäft vor Ort.

Diese ersten vier Schritte funktionieren auch ohne eigenen Onlineshop. Sie brauchen also nicht erst ein Shopsystem aufsetzen und Ihren Onlineauftritt optimieren. Jedoch sollten auch Händler*innen mit Onlineshop prüfen, ob sie oben stehende Punkte als Mindestanforderung erfüllen. 

Betrachten wir das einmal anhand eines der aktuellsten Beispiele: 

Wenn Sie derzeit durch eine Einkaufsstraße schlendern, vielleicht im Kiez um die Ecke oder im Zentrum einer Kleinstadt, dann werden Sie feststellen, dass nicht überall die Trostlosigkeit der leeren und dunklen Ladenzeilen herrscht. Einige der kleinen Läden sind geöffnet – oder zumindest brennt Licht und es wird gearbeitet. Gilt hier denn auf einmal kein Lockdown mehr? Nicht ganz!

Fast in allen Bundesländern ist es dem Einzelhandel – so auch im Lockdown – gestattet, Waren über die Lösung “Click & Collect” zu verkaufen. Click & Collect eignet sich vor allem zum gezielten Einkaufen, direkten bezahlen und abholen in der Filiale. Online wird die gewünschte Ware ausgewählt, in den Einkaufskorb gelegt und kann dann vor Ort abgeholt werden. Kunden*innen die wissen, was sie wollen und meist wenig Zeit haben oder effizient einkaufen wollen, sparen sich dabei nicht nur Versandkosten und Zeit, sondern profitieren auch von der flexiblen Abholung, durch passend angebotene Zeitfenster oder der schnellen und sicheren Bezahlung online. 

Um Click & Collect anzubieten brauchen Sie nicht unbedingt einen Onlineshop, keine große IT-Abteilung oder Experten-Wissen. Das scheint immer noch der Trugschluss vieler Händler*innen zu sein, weshalb sie gar nicht erst damit starten wollen. Sie müssen auch nicht unbedingt eine Online-Zahlung einrichten, sondern können auch eine Reservierungsoption (Click & Reserve) wählen und die Zahlung über Ihren POS, also ihr reguläres Kassensystem vor Ort, weiter abwickeln. Da Sie dabei keinen zusätzlichen Zahlungsanbieter implementieren und an Ihr Kassensystem anbinden müssen, ist es auch buchhalterisch einfacher zu verbuchen, da Sie die Umsätze ausschließlich stationär generieren. Und einfacher bedeutet auch immer schneller und weniger komplex – für kleinere, mittelständische aber auch für die großen Händler*innen. Bei den Filialen, in denen das Licht derzeit noch brennt, wurde bereits ein Fuß vor den anderen gesetzt – sicherlich nicht überall so, wie oben beschrieben, doch sie haben sich zumindest auf den Weg gemacht, der Tristesse entgegenzutreten.

Für Kunden*innen zählen Bequemlichkeit & Komfort – auch in Zukunft

Angebote wie Click & Collect existierten natürlich bereits vor dem Ausbruch der Pandemie, aber der Vorteil dieses Services in der Kombination von On- und Offline zeigte sich vor allem in den harten Phasen der bisherigen Lockdowns. Sie können sie als Händler*in weiterhin Ihre Bestände verkaufen, Ihre lokalen Stärken der sofortigen Verfügbarkeit ausspielen und vor allem Ihre Kundenbindung stärken – und das, obwohl Ihr Geschäft für Laufkundschaft geschlossen ist. Viele der Endverbraucher*innen werden die bequemen Vorteile, auch nach den Lockdowns weiterhin nutzen wollen. Auch Sie als Einzelhändler*innen profitieren langfristig davon. Je nach vorhandener technischer Infrastruktur können Sie durch die Online-Bestellungen mit Abholung in der Filiale wertvolle Daten sammeln. Diese bringen Sie in die Lage, eines besseren Verständnisses über die Gewohnheiten und Vorlieben Ihrer Kunden, welche Sie wiederum nutzen können, Ihren Kunden*innen einen noch persönlicheren Service anzubieten und damit nachhaltig an Ihr Unternehmen zu binden. 

Die Devise für erfolgreiche Händler*innen muss nun heißen, “Der Kunde ist König, gibt den Ton an – hier und jetzt, nicht erst in der Zukunft” – auch 2021 ist die Nachfrage der Verbraucher*innen nach einem komfortablen, stressfreien und einzigartigen Einkaufserlebnis in Echtzeit größer als je zuvor. Es geht nicht um die Frage ob online oder offline, sondern um eindeutige Konsumtrends wie “Personalisierung” und “Bequemlichkeit”, an denen stationäre Händler*innen nicht mehr vorbeikommen. 

Der benachbarte Innenstadthandel muss jetzt also aktiv werden, bestehende Verkaufskanäle und -strategien überdenken und das Internet weiter und viel mehr noch als Chance sehen und bewusst für sich nutzen. Nicht nur um zu überleben, sondern um gemeinsam mit ihren Kunden*innen erfolgreich in die Zukunft zu starten.

Besonders wichtig ist hierbei, dass sich die Händler*innen nicht verzetteln, sondern sich auf ihre stationäre Beratungsstärke konzentrieren und das Internet dazu nutzen, mit Ihren Angeboten und Produkten auch online lokal gefunden und gesehen zu werden! 

Denn wäre es nicht im Interesse aller – der Innenstädte, der Händler*innen und Konsument*innen – wenn sich der Onlinehandel und die stationären Filialen nicht in Konkurrenz zueinander sehen und koexistieren, sondern durch intelligente Verzahnung der Kanäle die Möglichkeit nutzen, den Umsatz auf beiden Seiten zu steigern und gleichzeitig das ideale Kundenerlebnis schaffen?

Sie benötigen Hilfe bei Google Shopping, transparenten Beständen und Filialverfügbarkeiten, Click & Reserve oder Click & Collect – egal ob mit Onlineshop oder ohne? Dann melden Sie sich gerne bei uns, mit unserer Omnichannel Suite und Storefront verhelfen wir Ihnen zu mehr Besucher*innen in der Filiale und mehr digitaler Sichtbarkeit. Und das binnen einer Arbeitswoche.

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