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Ist die Beauty-Branche bereit für die Digitalisierung?

Reden wir heute mal über die Schönheit. Warum fragen Sie? Zugegeben, natürlich maßen wir uns in diesem Bereich keine Autorität an. Doch zumindest kennen wir uns mit dem Handel im Omnichannel aus und daher können wir heute dennoch über die Beauty Branche reden. Die ist nämlich allein in einem dreiviertelten Jahr, von Q2 2020 bis Q1 2021 beim globalen Online-Umsatz um stolze 27 Prozent gewachsen. Das belegen Zahlen des Affiliate Netzwerkes Admitad. Die Verkaufsmenge stieg sogar um 47 Prozent und der Traffic auf den Homepages und Shops versiebenfachte sich.

Doch auch die deutschen Zahlen gesondert betrachtet können sich sehen lassen. So wuchs der Online-Umsatz der Beauty-Branche allein auf dem Boden der Bundesrepublik um 114 Prozent. Die Bestellungen über das Internet erreichten mehr als das Dreifache Volumen. Man kann also durchaus behaupten, dass die Beauty-Branche auch in Deutschland das digitale Zeitalter erreicht hat und dort derzeit gewaltige Erfolge feiert. Dabei hilft ihr eine Mischung, aus der durch die Pandemie beschleunigten Digitalisierung und einer Branche, die perfekt auf aggressives Marketing zugeschnitten ist.

Immer mehr Marketing im Netz

Gerade das sogenannte Influencer-Marketing, also Werbung durch Persönlichkeiten und Multiplikatoren, hat in der Beauty-Branche massiv zugenommen. So erhöhten Beauty-Blogs und Social-Media-Auftritte den Traffic auf Onlineshops um jeweils weit über 100 Prozent. Folgt man diesem Trend, dann wird klar, dass hier eine große Verschiebung stattfindet, welche die komplette Branche verändern könnte. Während nämlich immer mehr Umsatz und Reichweite im digitalen Raum generiert wird, stellt sich die Frage wo in dieser Rechnung die Filialnetzwerke der großen Händler bleiben.

Die Antwort darauf könnte erstmal schmerzhaft ausfallen: nirgendwo. Denn gerade im Internet werden die Karten neu gemischt. Und auch etablierte und erfolgreiche Händler im filialbasierten Einzelhandel müssen sich dieser Herausforderung stellen. Das heißt, sie brauchen eine umfangreiche und vor allem vorausschauende Omnichannel-Strategie um nicht den Anschluss zu verpassen. Im besten Fall gelingt es so sogar von dem großen Sog der digitalen Welt zu profitieren.

Der filialbasierte Einzelhandel profitiert vom ROPO Effekt

Denn, auch in Zeiten der Digitalisierung hat die Einkaufspassage und der Einzelhandel einen festen Platz im Alltag der Konsument*innen. Das zeigt auch der ROPO-Effekt, welcher besagt, dass viele Menschen sich im Internet informieren, jedoch vorzugsweise lokal einkaufen. Und gerade für die Beauty-Branche wirkt dieser Effekt besonders stark. Im Rahmen der POSpulse-Studie wurden 1000 Konsument*innen befragt wie ihr Einkaufsverhalten sei. Dabei kam heraus, dass nahezu niemand Schönheits-Produkte rein online kauft. Vielmehr neigten über zwei Drittel der Befragten dazu auch weiterhin lokal vor Ort einzukaufen. Die Gründe dafür sind schnell erklärt: Beauty-Produkte sind Produkte die erlebt werden wollen.

Und hier können vor allem Filialisten einsteigen und einen Trend zu ihrem Vorteil ausnutzen. Denn mit einem breiten Angebot und umfangreichen Informationen online können sie neue Kund*innen erreichen und für sich gewinnen. Mit genauen und aktuellen Warenverfügbarkeiten und der Möglichkeit direkt im Onlineshop Artikel vor Ort zu reservieren bieten einen Service, den reine Onlinehändler nicht bieten können. Und gerade vor Ort bietet sich durch gute Beratung eine Möglichkeit für weiteres Upselling.

Die eigenen Stärken ausspielen und Chancen nutzen

Gleichzeitig muss der filialbasierte Einzelhandel mit der Zeit gehen. Gerade ein nachhaltiger Versand, welcher sowohl Kosten für Händler als auch Kilometer für die Umwelt spart, wird in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren ein weiteres großes Argument im Kampf um Aufmerksamkeit und Kaufabschlüsse sein. Dabei muss der Handel seine Vorteile ebenfalls ausspielen und bestehende Strukturen und vor allem Infrastrukturen intelligent nutzen. Eine Möglichkeit ist hierfür Ship from Store, was einzelne Filialen zu eigenen kleinen Fulfillment-Centren macht und den Versand aus lokalen Warenlagern zentral gesteuert aus dem eigenen Onlineshop oder Marktplätzen ermöglicht.

Die Beauty-Branche steht vor großen Umbrüchen und befindet sich nachweislich derzeit mitten in der digitalen Transformation. Nun gilt es die eigenen Stärken auszuspielen und damit neue Trends und Chancen zu erobern und zu sichern. Keine Branche hat hierbei bessere Karten als der filialbasierte Einzelhandel. Zumindest dann, wenn er die kommenden Aufgaben mit offenem Visier und mit der richtigen Strategie und Technologie angeht.