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Braucht der stationäre Handel eine Schutzsteuer?

Kennen Sie nicht auch Aktionen wie zum Beispiel „Lass den Klick in deiner Stadt“ oder ähnliche Versuche den örtlichen Handel zu stärken? Wer 2021 durch die Einkaufsstraßen der Republik läuft, der könnte den Eindruck erhalten, dass der stationäre Handel in einem kalten Krieg mit dem Onlinehandel steckt. Und auch in den Medien ist die Geschichte oft schnell erzählt: Auf der einen Seite stehen die kleinen und ehrlichen Kaufmannsfamilien, auf der anderen Seite Menschen wie Jeff Bezos, die so reich sind, dass sie aus Langeweile ins All fliegen. Es ist eine Erzählung von Gut gegen Böse. Und es ist eine Geschichte, die nun mit einem Vorstoß von Raoul Rossmann, dem Erbe der großen Drogeriekette mit über 4200 Filialen in Europa, einen neuen Aspekt bekommt. Rossmann fordert nämlich eine E-Commerce Steuer um den stationären Handel zu stärken. Doch ist das eine gute Idee?

Der stationäre Handel in Deutschland: ein Auslaufmodell?

In einem Interview mit dem Handelsblatt sagt Rossmann folgendes: „Wir brauchen Hürden für den Onlinehandel, insbesondere für die ganz großen Player wie Amazon, wenn wir das Gut der Innenstädte schützen wollen.“ In den Augen des Drogerie-Erben brauchen die Innenstädte in den kommenden Jahren Investitionen in Milliardenhöhe um auch den stationären Handel und die umgebenden Strukturen zukunftssicher zu machen. Das Stichwort dabei: die Digitalisierung.

Und damit spricht Rossmann ein reales Problem an, wie auch die Studie Trends im Handel 2025 des Handelsverbandes Deutschland, HDE, zeigt: Bereits seit Jahren klagen mehr als 60 Prozent der stationären Händler über stetig rückläufige Besucherzahlen. Betroffen davon sind vor allem Fachhändler in kleinen und mittelgroßen Städten. Und gerade die Coronakrise hat dieses Problem noch einmal verschärft. So hat eine Umfrage des deutschen Immobilienverbandes ergeben, dass 2020 bis zu 25 Prozent aller Gewerbeimmobilien in Deutschland leer standen. Und geht man nach einer Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dann könnte dem Handel eine Insolvenzwelle mit über 25.000 betroffenen Unternehmen drohen.

Gleichzeitig wuchs allein im vergangenen Jahr der reine E-Commerce um 14,6 Prozent. Oder in Euro gesprochen: In der größten Krise der deutschen Nachkriegsgeschichte erwirtschaftete der Onlinehandel gut 11 Milliarden Euro mehr im Vergleich zum Vorjahr. Das ergibt eine Erhebung des E-Commerce Verbandes BEVH. Dazu kommt, dass der E-Commerce inzwischen auch die älteren Kundengruppen erreicht. So verzeichnete der Onlinehandel vor allem in den Kundengruppen der Männer und Frauen über 50 Jahren ein Wachstum von jeweils über zehn Prozent.

Eine verständliche Forderung – leider zu kurz gedacht!

Mit diesen Zahlen im Hinterkopf könnte man also Rossmann durchaus verstehen. Allein er ist für über 54.000 Arbeitsplätze in Europa verantwortlich. Dennoch liegt er falsch, wenn er sagt: „Wenn ich für ein online bestelltes Paket fünf Euro mehr bezahlen muss, als wenn ich die Produkte stationär erwerbe, dann überlege ich genau, ob es mir das wert ist.“ Denn er spielt damit zwei Seiten derselben Medaille gegeneinander aus. Betrachtet man nämlich das Verhalten der Kund*innen genauer, muss man erkennen, dass die Welt des Handels der Zukunft komplexer ist als einfach nur Offline gegen Online. Vielmehr setzt sich der Omnichannel durch und gerade große und erfahrene Händler und Filialisten drängen mit ihren Angeboten und Konzepten auch in den digitalen Bereich, um Angebote über alle Plattformen hinweg zu verknüpfen.

Nicht zuletzt Funktionen wie Click & Collect, Click & Reserve oder Ship from Store öffnen für den Handel neue Türen und verbinden die digitale und physische Welt. Erfolgreiche Händler schaffen es mit den passenden Werkzeugen und Angeboten ihre Kund*innen auf allen Wegen zu erreichen, egal ob das online oder offline ist. Eine Steuer auf Produkte die über den Onlinehandel erworben wurden, würde den Fortschritt in Deutschland hemmen, die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesrepublik ausbremsen und die Wirtschaft auf einen gefährlichen Kurs des Protektionismus führen.

Auch Ralf Haberich, CEO der Shopgate GmbH, sieht den Vorstoß von Rossmann kritisch. „Mit so einer Steuer würde man den Wettbewerb in Deutschland verzerren und den Fortschritt, den wir brauchen und uns wünschen, behindern.“ Für Haberich ist klar: Händler und Unternehmen dürfen sich nicht zurückziehen und versuchen mit externen Maßnahmen etablierte Prozesse zu schützen. Vielmehr brauche es einen klaren Kurs in die Zukunft, welcher von den passenden Technologien und großem Know-How abgesichert werde. „Wer Angst vor der Zukunft hat und die Digitalisierung unserer Welt verweigert, der ist dazu verurteilt zu scheitern“, betont Haberich.

Die Innenstadt bleibt relevant

Ja, die Innenstädte verändern sich. Und sie werden sich auch weiterhin verändern. Denn sie sind lebendige und pulsierende Zentren für uns Menschen. Warum sollten sie in ihrer Entwicklung stehen bleiben, wenn wir es selbst auch nicht tun? Gerade die Digitalisierung bringt viele Fragen mit sich und nicht alle von ihnen lassen sich mit einer Schablone beantworten. Das sorgt für einen gewaltigen Druck in den Chefetagen dieses Landes. Doch die Zeit wartet auf niemanden und nur wer sich den Herausforderungen von Morgen stellt, kann heute die Weichen stellen. Künstliche Schutzgebühren und andere Hemmnisse sind dabei kein Segen für die Wirtschaft, sondern trügerische Sicherheiten, auf die sich der Handel niemals verlassen darf. Denn in einer globalisierten und digitalisierten Welt wartet das bessere Angebot und die Konkurrenz nie weit entfernt.
Es ist jedoch auch richtig über die Digitalisierung und die Folgen in unserem Land zu sprechen. Nicht nur in der Politik, sondern auch in Unternehmen. Gute Ideen und kreative Lösungen sind heute wieder wichtig und müssen in der Unternehmenskultur auch gefördert und belohnt werden. Gleichzeitig ist es für Händler wichtig sich auf ihre eigenen Stärken zu konzentrieren und diese in allen Kanälen und allen Plattformen auszuspielen. Dabei helfen strategische Partner genauso wie ein offenes Visier.
Die Innenstädte sind nämlich alles andere als tot.

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